Fragen der folgenden Art lassen sich bei Building Technologies, Siemens, quasi auf Knopfdruck beantworten: “Zeige mir alle Kundenprojekte, die wir mit Banken in der Schweiz im Bereich Zutrittskontrolle durchgeführt haben”; “Zeige mir die Projekte in 50 km Umkreis von mir”- gleich in Google Maps.
Dr. Johannes Müller
ist für die Applikation und Community von References@BT verantwortlich. Ihm sind zwei Grundprinzipien sehr wichtig:

  • Einfaches Auffinden von Informationen und
  • einfaches Einstellen von eigenem Wissen.

Hören Sie in das wenige Minuten kurze Video hinein;  Herr Dr. Müller spricht über etliche konkrete Beispiele dafür.

Sämtliche Attribute können verbunden mit einer intelligenten Schlagwortsuche zu einer Kombinationssuche zusammengefasst werden, so dass man auch mit “Vienna” attributierte Einträge findet, wenn man nach “Wien” sucht. Die Hemmschwelle, eigene Informationen beizutragen, ist so niedrig wie möglich gehalten. Ein Orientierungsproblem: “Ich würde etwas dazu sagen wollen, aber ich finde den Link nicht; wo kann ich jetzt darauf antworten?” soll gar nicht erst auftauchen. Ihm ist auch sehr willkommen, wenn jemand nur die Zeit findet, eine kurze Übersicht zu einem Projekt zu schreiben, aber damit zum Ausdruck bringt: “Ich bin für weitere Fragen zu erreichen”. Ausschlaggebend ist, dass die Leute schnell auf Projekte und Ansprechpartner kommen.

Von den Ideen, den 2.0-Charakter der Anwendung weiter auszubauen, sei hier nur ein Feature genannt. Dr. Johannes Müller möchte diese Anwendung noch viel stärker in anderen Intranetsites verankern, z.B. Inhalte aus References@SBT-Datenbanken in ganz anderen Websites anzeigen. Dann werden diese Websites lebendig, denn sie ändern sich von Tag zu Tag. Auch dafür gibt er im Interview-Vlog ein Beispiel.

Siehe auch:
Einführungsbeitrag mit Links zu Publikations-Downloads

ToolinventarWie viele und welche Tools haben wir Wissensarbeiter heutzutage in Benutzung? Schätzen Sie einmal, mit wie vielen Tools Sie Umgang pflegen. Wieviele benutzen Sie regelmässig, wieviele gelegentlich? Fünf - zehn - 15?
Neulich habe ich mich daran gemacht, den Bestand an Arbeitstools zu dokumentieren, die auf meinem Notebook zum Einsatz kommen. Diese Inventur sollte vor allem zeigen, wie sich meine Werkzeugkompetenz im letzten halben Jahr, dem Forschungssemester, verändert hat. Neue Tools selbst anwenden zu können, statt gewisse Arbeiten an Hilfskräfte oder das Sekretariat delegieren zu müssen (statt dürfen), war ein Weiterbildungsvorsatz aus persönlichem Ehrgeiz.
Nach einer Stunde Bestandsaufnahme zeigte die Inventurprozedur die Tabelle links. Im Frühjahr hatte ich für die Umfrage von Jane Hart meine 10 Lieblingstools genannt (siehe Fettdruck). Von diesen sind noch alle bis auf Google Reader im Einsatz, der musste NewsGator weichen, der auch die Feeds des neu in Betrieb genommenen und passwortgeschützten Lehrstuhl-Wikis abonnieren kann und zudem lokal speichert. Bei mir kommen Offline-Phasen durchaus noch vor. Zwei Tools sind neu in meine Top-10-Liste aufgerückt, nämlich Twitter und Basecamp, dafür rutschen Flickr und Paintnet auf tiefere Rangplätze.
Insgesamt kommen 56 Tools zusammen, in Worten: sechsundfünfzig. Natürlich, da sind viele darunter, die nur sehr selten zum Zuge kommen, aber trotzdem: Kaum zu glauben! Davon neu gelernt, d.h. in den letzten Monaten erstmals angewendet habe ich sechzehn Tools, alle bis auf drei (Moodle, Mahara E-Portfolio-Software und ein Content Management System) übrigens aus eigenem Antrieb. Wer die Tools durchschaut ist bestimmt schon auf die lustvolle Andeutung in der Blogpost-Überschrift gekommen: Mit 56 Tools, da fängt das Web-2.0-Arbeitsleben an, mit 56 Tools, da hat man Spass daran, …. mit 56 ist noch lange nicht Schluss! - denn auf der Lernliste stehen noch ein paar Einträge.

Man kann Mitarbeiter ja nicht zwingen, an einem Unternehmenswiki teilzunehmen. Der Initiator und CEO Frank Roebers hatte von Anfang an ein paar glühende Fans bei der Synaxon AG. Er erzählt hier im Interview: “Ich war nicht allein … Die, die privat schon in Wikis gearbeitet haben und Web 2.0 verstanden haben, die haben gesagt: Das wird uns so nach vorne bringen!” Die grosse Mehrheit der Mitarbeiter muss allerdings mit harten Fakten überzeugt werden:

Mit einem Team von rund zehn Leuten ist man sehr druckvoll an die Wiki-Einführung gegangen. Mit ‘Druck’ ist laut Roebers gemeint: “Ich bin von einem Büro ins nächste gerannt: ‘Was machst du gerade? Warum steht das nicht im Wiki?’ Wir haben immer klar gemacht: ‘Ihr macht hier einen Fehler … Ihr führt hier zwei Systeme, das macht viel mehr Arbeit’ “. Zum Einwand, dass das Neue kompliziert sei, hiess es einfach: “Komm, ich zeig’s dir, das ist ganz einfach: Rübernehmen den Text - und fertig!

Twitter Logo

Machen Sie schon mit beim Twittern, oder fragen Sie sich noch, ‘Was bringst im Verhältnis zum Aufwand’ und ‘Wie packe ich es an’? Der Wissensmanagement-Guru David Gurteen hat sogar drei Twitter-Idenditäten. Sind das etwa seine ‘Multiplen Persönlichkeiten’? Nun, er hat diese Frage in seinem jüngsten Knowledge-Letter (Nr. 98 vom 13. August) so gut beantwortet, dass ich es hier auszugsweise wörtlich wiedergebe (Formatierungen und Links sind hinzugefügt):

Its not so much that I have 3 identities on Twitter more that I have created 3 Twitter feeds …:

1. DavidGurteen is my personal feed that I use to keep people updated with where I am, what I am doing, thinking etc i.e. the traditional use of Twitter. I embed this “what am I doing…” status on every page of my website so unlike many other twitterers I tend to only twitter once or twice a day and do not use the in-built Twitter messaging feature. This status is also automatically displayed in FaceBook, Plaxo and other social tools like FriendFeed which is very useful for keeping people updated on what I am about.

2. GurteenQuotes - this starts out as an RSS feed that I generate from my website (where I have over 700 quotations stored) and feed through TwitterFeed to convert it from RSS to Twitter format. People can follow this (subscribe to it in RSS terms) and get a neat little quote from me each day. A Lotus Notes agent does all the work here - only selecting those quotes in my database that are less than 140 characters and thus fit in the limited space allowed by Twitter.

3. GurteenNews - is similar to GurteenQuotes except that I post newsitems to my site and an agent releases one or two each day to an RSS feed that again gets turned into a Twitter feed via TwitterFeed. I plan for most of these to be short hot items i.e. “Google releases Knol” along with a direct link to the announcement. When I come across such news items it takes me less than 30 seconds to post to my website and so the overhead is not high. Again a Lotus Notes agent running in the background takes care of all the detailed work.

As for money, I make no direct income from any of this but :

1. the cost and time of doing this is negligible and the feeds provide a valuable service to my community.
2. it helps build my network - people get to know me and visit my website; sign up for my knowledge letter; get to know me even better and this is how I get my work and ultimately my income.
3. also, by following people on Twitter I get to know them better and this helps me develop and build my relationships with them; additionally I get breaking news in near real time and lots of useful little insights to what is going on in the big wide world.
So the bottom line: I find the Twitter ROI high. I couldn’t imagine life with out it!

Nun, so nutzt ein Virtuose Twitter. Unsereins kann ja auch klein anfangen; ich pflege vorerst nur ein Twitter-Feed.

Dazu ermuntert uns auch Martin Weigert, der in seinem netzwertig.com-Blogpost “Web 2.0 im Unternehmen: Lieber heute als morgen” Twitter zu den Produktivitätstools unter den Web-2.0-Diensten zählt, die er als Mitarbeiter - in seinem Fall einem kleinen bis mittelgrossen Unternehmen - nicht missen möchte (siehe im Text den Abschnitt ‘Microblogging statt Meetings‘).

Dem ersten Satz in Romanen schenkt ein Autor besondere Aufmerksamkeit. Erste Sätze sind oft nicht nur bemerkenswert, sondern auch merkenswert. Das neue Buch von Judy Breck beginnt mit: “Intertwingle: A word for new things going on that we have not had a word for“. Wir erfahren auf Seite 1, dass Ted Nelson, von dem der Begriff Hypertext (publiziert 1965) stammt, auch den Begriff ‘Intertwingularity’ (1974) geprägt hat. In einem Buch von Peter Morville (Ambiant Findability, 2005) ist Theodor Holm Nelson zitiert: “Intertwingularity is not generally acknowledged - people keep pretending they can make things deeply hierarchical, categorizable and sequential when they can’t. Everything is deeply interwingled“.
Judy Breck greift dies auf und schreibt: “With the exception of the interjection of hyperlinks here and there, text used in the digital world has been relentlessly sequential. In the past dozen years the Internet has emerged with uncountable spontaneous connections. Nonetheless, websites have been assumed from early on to be hierarchies with a homepage at the top and nests of categories below that, with sequences of related content. But that kind forcing of hierarchies, categories and sequences is now breaking down. Websites, on their own, have interconnected internally and with each other ignoring the old paper-world rules.
Buchcover Intertwingle, by Judy Breck

Wenn Sie dieser Ausschnitt zum Weiterlesen anregt: Das Buch der Protagonistin von Open (Educational) Resources Breck ist zum freien Download verfügbar: Hier jedoch noch ein weiterer kurzer Einblick. Von Seite 75 - 134 behandelt sie das Thema Intertwingularities in folgenden Abschnitten:

- Open
- Commons
- Center
- Six Degrees
- Social Networking
- The Cloud is Smart
- DIY: Do it Yourself

    Im vierten Kapitel “LEARNING” vertritt sie übrigens die Meinung, dass Mobiltelefone ganz und gar nicht aus der Schule verbannt gehören. Mehr speziell dazu werde ich in meinem nächsten Newsletter E-Learning schreiben (15. Sept., vgl. auch Learning Waves Blog). Und wer denkt, Frau Breck sei ein blutjunger weiblicher Computerfreak täuscht sich; sie hat ihren Universitätsabschluss gemacht bevor ich geboren wurde. Pestalozzi würde heute vielleicht sagen: Young@head, young@heart and young@hands.

    Wie in der Einführung zu dieser Vlog-Serie schon gesagt, war Dr. Johannes Müller von Web-2.0-Paradigmen schon so durchdrungen und überzeugt, dass sie in der Anwendungskonzeption umgesetzt waren, bevor dieses Schlagwort überhaupt geprägt wurde. Den ‘Spirit’ von References@SBT, der Projekt- und Lösungsdatenbank bei Building Technologies, Siemens (siehe auch BT Global Website), bringt er uns in diesem Interview-Ausschnitt näher:

    Kernaussagen von Dr. J. Müller darin sind:

    • Ich denke, dass Web 2.0 dem Wissensmanagement … einen Anschub gegeben hat.
    • Das System ‘Sharenet‘ gibt es seit 1999. Schon zur damaligen Zeit wurde eben der Nutzer in den Mittelpunkt gestellt und nicht die IT-Applikation.
    • Mir geht es viel weniger darum, dass ich eine allwissende Datenbank aufbaue, …, mir geht es vielmehr darum, mit References@SBT Nutzer zu vernetzen; Kolleginnen und Kollegen auf der Welt miteinander ins Gespräch zu bringen. … Und das ist für mich Web 2.0 im Sinne von Social Networking.

    Siehe auch:
    Einführungsbeitrag mit Links zu Publikations-Downloads

    Übermorgen, am ‘Case Friday‘ startet eine weitere Vlog-Reihe. In acht Folgen blicken wir hinter die Kulissen einer erfolgreichen Projekt- und Lösungsdatenbank in der Industrie. Der Spiritus Rector dieser Geschäftsanwendung im Geist von Web 2.0, die bei Building Technologies von Siemens im Einsatz ist, und auch mein Interviewpartner ist Dr. Johannes Müller.

    Die Anwendung hat inzwischen über 5000 registrierte Community-Mitglieder aus 73 Staaten (siehe Tabelle References@BT-Statistiken, Stand 18.8..2008).

    References@BT-Statistiken

    Zum Titel der Reihe hat mich die Redewendung ‘Mit seinem Latein am Ende sein‘ inspiriert. (Die Reihe läuft unter dem Titel ‘Web-2.0-Latein für eine Projekt- und Lösungsdatenbank: Nicht für die Datenbank, sondern für die Community teilen wir Wissen‘.) Latein war bis ins 20. Jahrhundert hinein die europäische Wissenschaftssprache. Wer damals den Vorträgen nicht folgen und nicht mitdiskutieren konnte, der war mit seinen Lateinkenntnissen am Ende. In der Redewendung steht ‘Latein’ gleichbedeutend für Wissen.

    Und von Web-2.0-Wissen war Dr. Johannes Müller schon so durchdrungen und überzeugt, dass es in der Anwendungskonzeption umgesetzt war, bevor dieses Schlagwort überhaupt geprägt wurde. Er ist also mit seinem Web-2.0-Latein dem Hype voraus gewesen und verdient dafür ein summa cum laude. Damit auch Sie hinsichtlich Web 2.0 mit Ihrem Latein nicht am Ende sind, sondern mitreden können, schauen Sie in den nächsten Wochen hier beim ‘Case Friday‘ vorbei und lesen Sie diese

    Publikationen zum Download und vertiefende Informationen:

    Nächste Vorträge von Dr. J. Müller:

    Lucy_Luder_Teaser von www.handybuecher.deNoch vor ein paar Wochen hat Wikipedia den „Handyroman nicht gekannt. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Handyromane in Japan seit ein paar Jahren ein Hype sind und auch die deutschen Massenmedien über diesen bereits berichtet haben. Als der Begriff in das Wörterbuch aufgenommen wurde, wurde er sogleich zur Löschung vorgeschlagen. Ein Argument war, ein Handyroman sei ja nichts anderes als ein E-Book. Das ist allerdings so nicht richtig, denn der Begriff zielt nicht nur auf das Medium, sondern ebenso auf die Gattung: „Die technischen Beschränkungen - etwa die Größe des Displays - lassen bestimmte literarische Formen entstehen. So sind kurze, einfache Sätze typisch. Dialoge werden tendenziell vermieden oder bestehen wiederum aus knappen Sätzen. Begünstigt werden eine kurz angebundene, präzise Sprache und temporeiche Plots.“ Man erfährt noch einiges mehr und kann nur hoffen, dass der Artikel Bestand hat und nicht dem Nivellierungswahn zum Opfer fällt. Am Ende heisst es: „In Europa gibt es bisher überwiegend klassische Texte für das mobile Endgerät, etwa im Rahmen von Projekt Gutenberg-DE. Einer der wenigen zeitgenössischen Handyromane ist „Lucy Luder und der Mord im studiVZ“ des Schweizer Autors Oliver Bendel.“

    Oliver, auch Wissenschaftler, nicht nur Autor, sitzt im selben Flur wie ich, und tatsächlich ist er es gewesen, der mich auf das Thema aufmerksam gemacht hat. Er hat mir auch am Wochenende beim Wandern den Handyroman gezeigt, und siehe da, man kann ihn wirklich lesen, ohne dass einem die Augen herausfallen. Einige Zeitungen, Zeitschriften und Radiosender haben inzwischen über den Roman berichtet, darunter Wiesbadener Kurier, Südkurier, Frankfurter Neue Presse, punkt.ch, connect und Radio7. Dazu gibt es noch sympathische Blogposts. Oliver ist der Meinung, dass die Sache auch in Europa zum Fliegen kommen kann. Vielleicht wird kein Hype entstehen („Fünf der zehn meistverkauften Romane im Jahr 2007 in Japan waren Handyromane …“), aber sicherlich eine Nische. Im Moment kann er sein Buch nur in Deutschland vertreiben, über einen Premium-SMS-Dienst. Er hofft aber, dass sich in der Schweiz bald eine ähnliche Möglichkeit ergibt. Sogar an neue Serien denkt er, kann aber noch nichts verraten. Der Flurfunk wird es bestimmt bald zu uns tragen.

    Bis dahin kann man sich über Websites wie www.handybuecher.de oder www.handyroman.net informieren.

    Was wären Ihre Überzeugungen oder vielmehr Befürchtungen, wenn Sie nachts von einem Wiki träumten, das zentrales Organisations-, Arbeits- und Kommunikationsmittel Ihres Unternehmens wäre?
    Frank Roebers, CEO, hat diesen Traum umgesetzt und sagt ganz offen “Ich war mir ganz sicher, dass es nicht schief gehen würde; allerdings war ich auch der einzige bei uns im Unternehmen, der sich ganz sicher war.”

    Die hier im Video näher erläuterten Einwände im Kreis der anderen Führungskräfte waren:

    1. es gibt totale Anarchie und es droht der Untergang des Unternehmens,
    2. im Mitarbeiterwiki wird einfach nichts passieren, es wird versanden: es wird sich niemand beteiligen,
    3. im Franchisenehmer-Wiki wird es Tonalitätsprobleme wie im früheren Feedback-Forum geben.

    Punkt 1 bedarf keiner weiteren Worte, siehe Synaxon AG und die Inhalte dieser Vlog-Serie.

    Zu Punkt 2 hat man folgende Erfahrung gemacht: “Nach einer kurzen zögerlichen Phase haben allerdings sehr schnell die meisten Kollegen gelernt: Wenn ich mein Wissen teile, werde ich dadurch besser und schneller. … Das wiegt mehr als mein Wissensmonopol zu behalten.

    In Bezug auf Befürchtung 3 hat sich eine Erfahrung von Wikipedia bewahrheitet, dass Strukturen und Tonalitäten in Wikis sehr stabil sind. Roebers sagt: “Wir haben das Wiki vorbefüllt (Anm.: ca. 4000 erste Artikel). Wir haben eine sehr sachliche, aber schon humorvolle Art der Kommunikation gewählt. … Die gleichen Franchisenehmer, die vorher noch sehr unhöflich im Forum unterwegs gewesen sind, haben mittlerweile einen sehr sachlichen konstruktiven Stil in dem Wiki. … Ausfälligkeiten sind super-selten.

    In unseren Business-2.0-Forschungsprojekten haben wir in den vergangenen Monaten (theoretische) Modelle recherchiert und geprüft, die passen und helfen, Empfehlungen dafür abzugeben, welche Softwareunterstützung für welchen Anwendungszweck im Unternehmen (bezogen auf den Bereich Kommunikation, Kooperation und Kollaboration von Wissensarbeitern) geeignet ist. Dabei “probierten” wir es auch mit der bereits aus den 80er Jahren stammende Media Richness Theory (engl. siehe auch IS-Theories Wiki). Diese geht - vereinfacht gesprochen - davon aus, dass die Wahl eines Medium für die Kommunikation dann effektiv und somit sinnvoll ist, wenn die Reichhaltigkeit des Mediums der Komplexität der zu kommunizierenden Information entspricht. In einem Paper für die American Conference on Information Systems, welches im Herbst dieses Jahres in ausgebauter und überarbeiteter Form auch im International Journal of e-Collaboration erscheinen wird, haben wir darauf aufbauend eine Task-Media-Fit-Matrix entwickelt, in welcher wir auf einer Achse die Reichhaltigkeit des Mediums und auf der anderen die Komplexität der kollaborativen Aufgabe abgebildet haben. Ausgehend von einem im Paper näher beschriebenen Bewertungsschema haben wir dann verschiedene Medien hinsichtlich ihrer Reichhaltigkeit bewertet und in die Matrix eingeordnet. Somit entsteht eine automatische Zuordnung zum unterstützten Komplexitätsgrad der Aufgaben.

    Während die letztlich triviale Matrix als theoretisch fundiertes Erklärungsmodell in der Wissenschaft taugen mag (auch wenn es an der Gültigkeit der Media Richness Theory berechtigte Zweifel gibt), ist der praktische Nutzen meines Ermessens nur gegeben, wenn damit auch konkrete Tool-Empfehlungen für bestimmte Aufgaben gegeben werden können. Aber wie bestimme ich die Komplexität einer Aufgabe, an der mehrere Personen beteiligt sind? Handelt es sich um die Summe der individuell von den Beteiligten empfundenen Komplexitäten oder etwa den daraus resultierenden Durchschnitt? Ist Komplexität überhaupt objektiv messbar? Bis auf welche Granularitätsstufe sollten Aufgaben zur Analyse heruntergebrochen werden? Während die Media Richness Theory hinsichtlich der Bestimmung der Reichhaltigkeit von Medien durchaus brauchbare Hinweise liefert (z.B. Feedback und die Fähigkeit, Emotionen zu transportieren), sind kaum verwertbare Ideen zur Bestimmung der Komplexität der zu unterstützenden Aufgaben enthalten. Meines Ermessens bietet sich hinsichtlich des Entwurfes eines Ansatzes zur Komplexitätsmessung zunächst eine Zerlegung der Aufgaben in die folgenden drei Stufen an:

    1. Aufgaben, die primär Kommunikation (also den reinen Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehreren Personen) umfassen
    2. Aufgaben, die überwiegend kooperativ (arbeitsteilige Bewältigung von Teilaufgaben) erledigt werden
    3. Aufgaben, die synchrone oder asynchrone Kollaboration (gemeinsame, sich wechselseitig beeinflussende Bewältigung einer Aufgabe) erfordern

    Mit ist dabei klar, dass es sich dabei letztlich auch um eine Aggregation handelt. So umfasst eine kollaborative Aufgabe wohl sehr häufig auch kooperative Teilaufgaben und bei all diesen Aufgaben ist Kommunikation vonnöten. Es stellt sich wiederum die Frage nach dem Granularitätsgrad bei der Betrachtung. Möglich ist natürlich eine Zerlegung bis auf die Ebene der Kommunikation hinab, wie sie in der Media Richness Theory praktiziert wird. Dies ist aus meiner Sicht jedoch wenig praktikabel. Vielmehr muss die Betrachtung direkt auf der Ebene der Kollaboration erfolgen.

    Als Indikatoren für den Komplexitätsgrad denkbar wären beispielsweise die Anzahl der beteiligten Akteure und/oder die Häufigkeit der Interaktionen zwischen ihnen. Ein Gedanke, der noch weiterentwickelt werden muss. Für Hinweise auf existierende Ansätze zur Bestimmung der Komplexität kollaborativ zu bewältigender Aufgaben, Kritik oder Vorschläge zur Weiterentwicklung hier in den Kommentaren wäre ich dankbar.

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